Offenes Feedback zur Testphase des Pilotprojekts „kvgOF Hopper“

Der Schein trügt – der Hopper hat nämlich keinen festen Fahrplan

Hop oder Top? Warum der Hopper den Beinamen „Flopper“ nicht verdient, aber es jetzt nach der ersten Testphase in unseren Augen einiges anzupassen gilt, erklären wir euch in diesem offenen Feedback.

In unserer Jugendbeiratssitzung am 20.11.2018 stellte Andreas Maatz, Geschäftsführer der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach, uns das Konzept des Hoppers vor, damals noch als „Anrufsammeltaxi plus“ bzw. „Bus on Demand“ benannt.

Es ist richtig, dass das Pilotprojekt im Öffentlichen Personennahverkehr nicht „Anrufsammeltaxi plus“ heißt. Das hört sich nämlich nach dem uns bekannten Anrufsammeltaxi mit weiteren Funktionen an.
In der Testphase waren die Optionen bei Buchung, Zahlung und Barrierefreiheit für Menschen ohne „angeborene Digitalkompetenz“ jedoch deutlich beschränkter. Und auch mit dem Start des regulären Betriebs am Dienstag den 13.08. werden längst nicht alle Schwachstellen behoben sein.

Die Kreisverkehrsgesellschaft wirbt auf der Internetseite des Hoppers mit dem Slogan „Der kleine Bus, der immer kann: Mit dem Hopper schnell und flexibel zum Wunschziel.“ Dass das allerdings nicht so einfach wie dargestellt ist, mussten wir (Frederick und Barbara) schmerzlich bei unseren ersten Hopper-Fahrten feststellen.

  1. Der Hopper kann eben nicht immer, teilweise gab es von der App schlicht die Aussage, dass im Moment kein Auto frei sei. Allerdings gab es leider auch keine Info darüber, wann denn wieder eines verfügbar wird.
    Wir wünschen uns eine Anzeige in der App, wie lange es ungefähr dauern wird, bis wieder ein Auto frei ist.
  2. Was gerade uns Jugendliche stört, auch der Hopper fährt nur „tagsüber“, nämlich von 5:30 Uhr bis 1:30 Uhr. Möchte man also nachts mal etwas länger wegbleiben hat man nach wie vor keine Möglichkeit, öffentlich aus der Großstadt nach Seligenstadt zurückzukommen.
    Wir schlagen demnach am Freitag- und Samstagabend einen verlängerten Betrieb z.B. bis 3:00 Uhr vor.
  3. Auf der anderen Seite ist uns der Hopper einmal doch glatt vor der Nase weggefahren. In der App wurde angegeben, wir würden zwischen 10:35 Uhr und 10:47 Uhr abgeholt. Da kann man ja noch entspannt im Haus warten und dann zur 120 Meter entfernten „Haltestelle“ laufen. Pustekuchen, auf einmal hieß es in der App dann doch sofort und der Hopper fuhr um 10:31 Uhr weg ohne zu warten. Die Fahrt war natürlich bezahlt und virtuell saßen wir im Auto, konnten also nicht neu buchen. In der App war auch keine Nummer oder Reklamationsfunktion zu finden.
    Wie wird man in Zukunft der App mitteilen können, dass man den Hopper nicht erwischt hat und gerne dringend neu buchen möchte?
  4. Hier wird auch das nächste Problem deutlich, es gibt eben über den Ort verteilt virtuelle Haltestellen, diese bestehen aber tatsächlich nur virtuell, haben also keinen Unterstand oder ähnliches. Trotzdem müsste man dann direkt von der Buchung an dort stehen, da die Abfahrtszeit des Hoppers eben auch ganz schnell nach unten korrigiert werden kann. Wir würden uns blöd vorkommen eine halbe Stunde vor einem fremden Haus rumzuhängen. Das ist gerade für in der Mobiliät eingeschränkte Personen und bei schlechtem Wetter suboptimal.
    Wir fragen uns: Kann die angekündigte Option der direkten Abholung vor jeder Haustüre realisiert werden? Wenn nicht, gibt es Ideen, wie das Warten im Winter gestaltet werden soll?
  5. Flexibel? Naja, wenn man spontan fahren möchte auf jeden Fall, da man während der Betriebszeiten ständig bedient wird. Vielleicht aber doch manchmal auch zu flexibel: Leider besteht nämlich keine Möglichkeit feste Zeiten zu buchen. Für eine Hinfahrt mit Ankunft um eine bestimmt Uhrzeit ist der Hopper deshalb so gut wie nicht nutzbar. Eine Anschlussmobilität bietet er daher eigentlich nur für den Rückweg. Bus, Bahn oder Arbeitgeber warten schließlich nicht auf einen verspäteten Hopper.
    Warum kann man sich also keinen Hopper für eine bestimmte Uhrzeit buchen? Den „Bitte um 10:45 Uhr abholen, damit ich pünktlich und zuverlässig um 11 Uhr bei meinem Termin bin.“-Knopf konnten wir noch nicht finden.
  6. Von einem Account aus ist es nicht möglich verschiedene Ziele für mehrere Fahrer zu buchen, möchte man also mit einer Freundesgruppe fahren, die an unterschiedlichen Haltestellen ein- oder aussteigt, müsste jeder getrennt buchen. Dabei kann man sich besonders bei unterschiedlichen Startpunkten nicht sicher sein, ob man gemeinsam im gleichen Hopper sitzt.
    Wir wünschen uns eine Funktion, von einem Handy aus für mehrere Fahrgäste verschiedene Zielpunkte auswählen zu können.
  7. Die Bestellung des Hoppers wird ab der ersten Testphase auch telefonisch und nicht mehr nur per App funktionieren. Das finden wir gut und wichtig, um eine Barrierefreiheit in der Buchung zu erhalten.
    Die Bezahlmöglichkeit soll auch von nur Kreditkarte auf EC-Karte erweitert werden. Jedoch haben auch gerade junge Menschen beide Karten noch nicht.
    Wird man eine Lösung finden, dass ich meine Schüler-/ Studentenfahrkarte vorzeigen kann und dem Fahrer den Komfortzuschlag bar in die Hand drücke? So wäre die Bezahlung am benutzerfreundlichsten. Zu den „Alibi-Preisen“ der Einführungsphase sieht man getrost über diese Schwächen hinweg. Gilt nun aber der normale Tarif, der doch mit mindestens 2,60€ pro Fahrt sehr hoch ist, sieht das schon anders aus. Denn auch mit Zeitkarte wird das Fahren sehr teuer, wenn man regelmäßig darauf angewiesen ist. Schließlich ist mindestens der Komfortzuschlag von 1€ zu zahlen.

Es bleibt abschließend noch zu erwähnen, dass die Hopper-Fahrer bisher immer freundlich waren und es doch deutlich persönlicher als in einem normalen Bus zugeht, gerade auch durch das Teilen des doch kleinen Raumes mit anderen Mitfahrern.

 

Unser Fazit: Ausbaufähig!

Für Spontanfahrer, die gerade irgendwo im Einzugsbereich stehen, keine andere Mobilität nutzen wollen und genau jetzt fahren wollen ist der Hopper eine gute Alternative. Es gibt sehr viele Haltestellen und man kann quasi direkt fahren, ohne auf den manchmal nur selten fahrenden Bus zu warten. Der Hopper fährt dann, je nachdem wo das Ziel liegt und ob es auf dem Weg noch Mitfahrer gibt, einen direkten Weg und man kann Zeit gegenüber festen Busrouten einsparen. Für Nutzer mit festen Ankunftszeiten hingegen lohnt sich der Hopper zumindest aktuell noch nicht.

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